Digitale Souveränität beginnt bei dir und mir

Jakob Hürner · February 5, 2026

Dienste von Google und anderen US-Big-Tech-Unternehmen sind Teil unseres Lebens – bequem, kostenlos und für den Normalverbraucher scheinbar alternativlos. Diese Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis. Das Geschäftsmodell basiert auf der Verwertung der Kundendaten, diese werden im großen Stil analysiert und über Werbung zu Geld gemacht. Während dieser Umstand seit jeher bekannt war, stoße ich mich zunehmend daran.

Einerseits erhält die Datenanalyse durch Fortschritte in der KI nochmals eine ganz andere Dimension. Die Versprechen von Google, einem die komplette dort gespeicherte digitale Existenz per KI aufzubereiten, jagen mir einen kalten Schauer über den Rücken.

Nicht zuletzt lässt mich das politische Weltgeschehen der letzten Zeit stärker darüber nachdenken, wer meine privaten Daten hat und in welchem Land sie gespeichert und verarbeitet werden.

Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr reifte die Überzeugung in mir, meine digitiales Leben zukünftig neu aufzustellen. Zentrale Elemente wie Email, Cloud-Speicher etc. sollen abseits der großen US-Anbieter Google & co organisiert werden. Konkrete Schritte in Richtung Digitaler Souveränität sollen auch in meiner privaten digitalen Sphäre Einzug halten.

KI-generiertes Bild: Feiernde Menschen

(Das Bild wurde mit Google Gemini generiert, diese Ironie konnte ich mir nicht verkneifen. ;) )

Dabei stellte ich fest, dass es tatsächlich eine Vielzahl an datenschutz- und benutzerfreundlichen Alternativen zu Google & co gibt. Es braucht dazu auch kein IT-Studium dazu, den Umstieg kann man mit Veränderungswillen und überschaubarem Aufwand einfach umsetzen.

Welche Ziele verfolge ich mit der Änderung?

Wie bei allen Entscheidungen im Leben muss man auch hier teilweise konkurrierende Ziele abwägen. Ich verfolge hierbei folgende Absichten:

  • Reduzierte Konzentration auf einen Anbieter: Anstatt aus Bequemlichkeit auf die Dienste eines Anbieters zu setzen und sich damit einem “Lock-in” auszusetzen, möchte ich die Dienste entbündeln und auf verschiedene unabhängige Anbieter setzen.
  • Hoher Grad an Verschlüsselung der eigenen Daten: Ich möchte vorrangig Ende-zu-Ende verschlüsselte Dienste verwenden, bei denen meine eigenen Daten zu jeder Zeit verschlüsselt und damit für niemanden sonst einsehbar und auswertbar sind.
  • Weg vom Überwachungskapitalismus: Wahl von Anbietern, bei denen die Datenanalyse und die Monetarisierung der Kundendaten nicht Hauptbestandteil des Geschäftsmodells sind.
  • Europa bevorzugt: Bevorzugt sollen die gewählten Anbieter sowie der Datenspeicherort europäisch sein, anstatt sämtliche meiner privaten Daten in US-Hände zu legen.
  • Etablierte Anbieter: Da die betroffenen digitalen Dienste für mich persönlich wichtig sind und die Einrichtung ein gewisser Aufwand ist, möchte ich auf Anbieter setzen, die seit mehreren Jahren bestehen.

Welche Nachteile sehe ich bei den Alternativen zu Google & Co

  • Funktionalität: Kleine Einschränkungen betreffend der Funktionalität muss ich in Kauf nehmen. Einerseits weil man es mit kleineren Anbietern mit beschränkten Entwicklungsressourcen zu tun hat, oder weil ganz einfach die Verschlüsselung beziehungsweise der Datenschutz gegen Komfortfunktionen sprechen. Als Beispiele seien die fehlende Suchfunktion in Bildern (z.B. Texterkennung), oder die eingeschränkte Zahl an Schnittstellen zu anderen Diensten oder Drittanbietern genannt.
  • Bezahlung mit Euros statt Daten: Anstatt mit den eigenen privaten Daten bezahlt man datenschutzorientierte Dienste stets mit Geld. Aber wir wissen ja: “If you’re not paying for the product, then you are the product.” In meinem Fall habe ich bereits bisher für Cloudspeicher bezahlt, aber abseits der großen US-Anbieter wird es zukünftig etwas teurer (ca. + €50 pro Jahr).

Verwende ich gar kein Google & Co mehr?

Nein. Mich komplett von Google & Co zu lösen ist für mich so gut wie unmöglich und war auch nie das Ziel (siehe oben). Verschiedene Dienste wie Youtube, Maps oder auch einfache Dinge wie Google Keep verwende ich nach wie vor.

Alleine betreffend der Infrastruktur steckt viel US-Big-Tech in allem, was man im Internet macht. Ich bin aber davon überzeugt, dass es einen Unterschied macht, wenn ich zumindest 80% meiner privaten Daten nicht mehr über Google & Co, sondern über unabhängige, datenschutzfreundliche Anbieter bevorzugt in Europa abwickle. Keiner von uns kann alleine “die Welt retten”, aber auch kleine Beiträge können in Summe etwas verändern.

Wieso schreibe ich darüber?

Ich sehe es als Gebot der Stunde, in Zeiten von immer stärker umsich greifender KI und der sich verändernden geopolitischen Lage das eigene “digitale Leben” kritisch zu hinterfragen. Mit diesem Beitrag möchte ich auch andere ermutigen, sich ebenfalls mit den Themen zu beschäftigen. Mein Wunsch ist, dass viele Leute diesbezüglich ähnlich denken, und mit einem Umstieg einen Beitrag zur eigenen digitalen Souveränität und der digitalen Souveränität Europas leisten.

Welche Dienste verwende ich nun konkret?

Dies sind die Anwendungen, die ich in Richtung datenschutzfreundlicher und/oder europäischer Dienste umgestellt habe:

Diese Liste wird zukünftig erweitert.